Geschichte der OSTRALE

Kunst als Kapital

Kunst als Kapital und Kernbestand einer neuzeitlichen Gesellschaft zu etablieren, ihre Innovationskraft ökonomisch und sozial zu organisieren und lokal, regional und international nachhaltig nutzbar zu machen, ist die Idee und das Ziel der OSTRALE.

Die OSTRALE begann 2007 als lokale Initiative durch Andrea Hilger und Maik Salomon und hat innerhalb kürzester Zeit eine große internationale Reichweite erlangt. Sie präsentiert gattungsübergreifend und interdisziplinär das gesamte Spektrum der Gegenwartskunst. An einem industriehistorisch und architektonisch bedeutsamen Ort mit beträchtlichen Raumdimensionen (Ausstellungsfläche: 15.000 qm Außenfläche: 50.000 qm) werden jährlich mehrere hundert nationale und internationale Künstler für eine Teilnahme am Festival eingeladen.

Dresden hat insbesondere als „Elbflorenz" einen weltweiten Bekanntheitsgrad erreicht. Mit der OSTRALE verfügt die Stadt nun über das Potential, kulturell und touristisch interessenausgleichend als Gegenpol zu ihrer barocken Geschichte eine historisch generative, zeitgenössische Perspektive zum klassischen Ausstellungsformat zu entwickeln. So kann sie im heutigen Zeitgeschehen ihren internationalen Stellenwert Richtung „Moderne" ausbauen.

Das kuratorische Konzept ermöglicht neben dem offenen Ausschreibungs- und Bewerbungsverfahren auch das unmittelbare Einladen internationaler Künstler. So wird eine maximale Breite und enorme Qualität internationaler zeitgenössischer Kunst erreicht. Diese kann in situ in den vorhandenen außergewöhnlichen Raumstrukturen neu geschaffen oder in neuem Kontext installiert oder gehängt werden.

Mit der "OSTRALE Biennale 2017", der 11. Internationalen Ausstellung, verändert die OSTRALE ihr Konzept in eine zweijährige Form, die jeweils in Dresden sowie mit den internationalen Partnern im Ausland Ausstellungen realisiert.

Kunstorte - Die Futterställe des historischen Hans-Erlwein Schlachthof

In der Kunststadt Dresden steht mit dem vor 100 Jahren von Hans Erlwein erbauten, ehemaligen Schlachthofensemble auf der Ostrainsel ein Areal zur Verfügung, das ein unerschöpfliches Potential besitzt. Hier wird zeitgenössische Kunst in außergewöhnlichen Räumen präsentiert, so kann sie frei von jeglichen Konventionen und einengenden Strukturen großformatig Entfaltung finden.

Die unterschiedlichen architektonischen Besonderheiten von Rinderstall, Heuböden, Futterställen, Sozialtrakt, Zentrallager, Fettschmelze, Direktorenvilla, Pförtnerhäuschen und Amtsschlachthof bieten ein unvergleichliches Spektrum von Raummöglichkeiten, in denen Kunst präsentiert und in unterschiedlichste Kontexte gestellt werden kann. Seit 2007 werden jährlich neue Gebäude des langsam verfallenden Geländes geöffnet und teils als temporäre Ausstellungsräume und anderenteils als feste Bestandteile des entstehenden Kunst-Zentrums hergerichtet.

In der Zwischenzeit fokusiert sich die OSTRALE auf die Futterställe als Ausstellungsort.

Die Futterställe dienten früher zum Füttern der Tiere und zum Einlagern des Heus auf dem Dachboden. Der Gebäudekomplex besteht aus zwei Teilen: Dem Futterstall West und dem Futterstall Ost. Die Ställe verfügen über je zwei Etagen mit insgesamt etwa 8.000 m² Ausstellungsfläche.

Das Große Ostra-Gehege

Die OSTRALE hat die Vision, konventionelle Normansprüche in Frage zu stellen, aufzubrechen sowie gleichzeitig der zeitgenössischen Kunst neue Möglichkeiten der Interpretation anzubieten. Die Vielfalt der Räume ist den Künstlern in der Erschaffung und dem Publikum in der Rezeption ein Ort der Inspiration und der sinnlichen Wahrnehmung.

Die Nähe zum Stadtzentrum, die andauernde Veränderung der Ostrainsel und die Flora und Fauna der Elbwiesen, die für Ruhe und Erholung stehen, machen aus der OSTRALE etwas Besonderes, ein verstecktes Juwel im geschäftigen Herzen der Stadt.

Das Ostragehege liegt in der Kernzone des ehemaligen Weltkulturerbes Dresdner Elbtal und definiert über seine Breite eine der breitesten Stellen der gesamten Kulturlandschaft. Es beginnt heute an der Marienbrücke und wird fast im Halbkreis im Norden durch die Elbe begrenzt. Im Süden liegt die Friedrichstadt. Im Westen und Süden endet das Ostragehege am größten Binnenhafen Dresdens, dem Alberthafen Dresden-Friedrichstadt.

Benannt ist das Ostragehege nach dem Dorf Ostra, das 1206 erstmals erwähnt wurde. Ostra selbst bedeutet „Insel" und trifft damit begrifflich den Charakter des Geheges gut, obwohl Ostra in der heutigen Friedrichstadt lag. Mit dem Ausbau der Stadtfestung von Dresden wurde das Gebiet um Ostra als „Ostravorwerk" erschlossen. 1568 wurde das Dorf Ostra deshalb aufgelöst und die Bewohner in die Flur des Dorfs Leubnitz (seitdem deshalb Leubnitz-Neuostra) umgesiedelt.

Ursprünglich ist dieser Landschaftsraum größer gewesen und erstreckte sich mit dem „Kleinen Ostragehege" bis fast an den ehemaligen Königlichen Marstall heran. Vor den Stadterweiterungen im 19. Jahrhundert war dieses Gebiet von einer teilweise bewaldeten Feuchtwiesenlandschaft geprägt. Weil sich die Weißeritz früher flussaufwärts vom Hauptbereich des Ostrageheges in die Elbe ergoss und auf diese Weise einen großen Schwemmlandfächer erzeugte, war dieses Areal lange eine permanente Feucht- und Überschwemmungszone. Durch anthropogene Einflüsse, wie die Verlegung des Weißeritzlaufes, Drainagen, großflächige Aufschüttungen, Elbuferausbau und Bebauungen sowie die Errichtung des Elbhafens haben sich die hydrologischen Verhältnisse und Elbuferzonen erheblich verändert.

Die Schlachthofanlage von Stadtbaurat Hans Erlwein, die aus 68 einzelnen Gebäuden bestand, wurde nach fünfjähriger Bauzeit am 19. August 1910 eingeweiht. Das Gebäudeensemble wurde im Großen Ostragehege auf einer großflächigen Aufschüttung im sogenannten Heimatschutzstil erbaut und gilt als bedeutendes Beispiel der Jugendstil-Industriearchitektur.

Die Anlage wurde in Form einer Siedlung errichtet, die von einer Ringstraße umfasst wird. Am Schlachthofring gab es einen Viehhof mit Eisenbahnanschluss, Markthallen, Ställe für Groß- und Kleinvieh, Schlachthallen, ein Kessel- und Maschinenhaus, ein Kühlhaus und eine Gaststätte. Die Kapazität des Schlachthofes war im Jahr 1910 auf 550 Rinder, 3.450 Kälber und Schafe sowie 2.500 Schweine pro Tag ausgelegt.

Die Bombenangriffe im Februar 1945 richteten schwere Schäden an den Gebäuden des Schlachthofes an. Bei dem wegen der akuten Lebensmittelknappheit in der Nachkriegszeit sehr forcierten Wiederaufbau stellte man die Gebäude in einer vereinfachten Form wieder her, sodass vieles der Jugendstil-Architektur verloren ging. In der Zeit der DDR war hier das Dresdner Fleischkombinat in Betrieb.

Die verbliebenen historisch wertvollen Bauten des alten Schlachthofes stehen heute unter Denkmalschutz.

Caspar David Friedrich: „Das Große Gehege“ (1832)